In the Flow
Mittwoch, 3. September 2008
Wenn man Leuten, die noch nie mit Rollenspiel zu tun hatten, erklären will was Rollenspiel ist, fängt man häufig irgendwie so an: „Jeder kennt das. Man liest einen spannenden Roman oder guckt einen spannenden Film im Fernsehen, fiebert mit dem Helden der Geschichte mit und erlebt die Handlung aus seinen Augen. Es ist als erlebe man selbst diese fantastischen Sachen. Man ärgert sich über Nebenfiguren die sich dämlich verhalten und lebt einfach die Handlung, die man eigentlich nur als Zuschauer erlebt.
Es gibt allerdings Leute, die erleben diese Handlung nur als Zuschauer. Sie schaffen nicht den Sprung in die Realität des Actionhelden und bleiben hinter der Mattscheibe sitzen so als beobachteten sie eine Szene aus dem Fenster heraus.
Bei diesen Leuten läuft man mit dieser Standarderklärung buchstäblich vor die Wand.
Ich hätte früher nie gedacht, dass es so etwas überhaupt gibt. Bei mir ist es immer so gewesen. Wenn ich mich auf etwas konzentriert habe, war ich da. Es gab nur noch die eine Sache. Wenn ich Fernsehen geguckt habe da konnten meine Eltern mich ruhig ansprechen. Ich habe zwar irgend eine Antwort gegeben, aber an diese konnte ich mich später nicht mehr erinnern. Lehrer haben sich oft darüber beschwert, dass ich im Unterricht unaufmerksam wäre weil ich so abwesend wirke, dabei war es teilweise sogar der Unterrichtsstoff, mit dem ich mich in Gedanken beschäftigte.
Wenn ich anfange, Tischtennis zu spielen sehe ich anfangs alles um mich herum. Die Platte, den anderen Spieler, die Platten daneben und auch die Spieler die an den anderen
Platten spielen.
Nachdem ich aber ein paar Bälle gespielt habe existiert nur noch das Spielfeld, mein Schläger und der Ball!
Wenn ich programmiere, gibt es irgendwann auch nur noch das Programm und mich. So etwas banales wie die Zeit vergesse ich einfach und ich fühle mich extrem gestört wenn mich dann jemand anspricht.
Ein ehemaliger Lehrer von mir erzählte einmal, so etwas würde man „In the Flow“ nennen und nur wenige Leute hätten diese Eigenschaft. Er selber fände es faszinierend, aber er könne das nicht.
Das hat mich irritiert denn ich hielt es für vollkommen natürlich.
Jemand der es nicht hat kann ich irgendwie nur bemitleiden, denn ihm entgeht einiges.
Ich gehe einmal davon aus, dass jeder Rollenspieler diese Fähigkeit bis zu einem gewissen Grad hat, anders wäre es ja gar nicht möglich in fremde Welten zu reisen und mit der Fantasie als einziges Werkzeug Abenteuer zu erleben, doch nun verstehe ich, warum es Leute gibt die überhaupt nichts mit diesem Hobby anfangen können.
Es ist nicht etwa ein Mangel an Fantasie, sondern ein Mangel an der Fähigkeit, sich hundertprozentig auf eine Sache zu konzentrieren.
Man muss halt einfach ein bisschen in the Flow sein, um ein Rollenspiel zu begreifen.
in 3 Mal nachgedacht um 08:40
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